Tantra, so glauben manche, sei Gruppensex mit spiritueller Entschuldigung. Wieder ande-re meinen, es ginge um Liebestechniken allein. Viele denken, man könne Tantra nur zu zweit praktizieren und außerdem sei es ungeheuer exotisch und damit nichts für normale Menschen. So gibt es viele Glaubenssätze über Tantra, dabei hat gerade Tantra absolut mit Praxis zu tun und wenig mit Glauben.
Die Verehrer des tantrischen Weges schwärmen von kosmischer Glückseligkeit und dem kosmischen Orgasmus, von vibrierender Ekstase, dem lebendigen Strömen der Lebens-energie und stundenlangen Vereinigungen.

Das Provozierende an Tantra ist:

1) Es gibt kein Gut und Böse. Eine solche Weltanschauung ist dualistisch und spaltet den Geist des Menschen und erfüllt ihn mit überflüssigen und belastenden Schuldgefühlen und entfernt ihn vom Göttlichen. Es gibt nur blockierte und freigesetzte Energien. Das Göttli-che ist in allem, der materiellen Welt und der feinstofflichen, geistigen Welt. Es gibt nichts außerhalb des Göttlichen, selbst meine Irrtümer sind Teil des Prozesses. Selbst unange-nehme oder sogar schockierende Erlebnisse mit anderen Menschen sind Spiegel meines Inneren und zeigen mir meine verdrängten Aspekte.

2) Sexuelle Energie ist heilig, da sie das Leben gebiert und zeugt. Mir ihr bewußt umzuge-hen, auch in Alltagssituationen ist Aufgabe dessen, der den tantrischen Weg geht. Sie in Ritualen sakral zu zelebrieren gehört zu den Höhepunkten im Leben des Tantrikers.
In diesem Sinne ist alles heilig, weil nichts existiert außerhalb der großen Einheit, zum Bei-spiel auch scheinbar destruktive Energien oder Dinge, die wir gering achten wie Abfall oder Kot. So ist der Körper heilig und auf keine Fall das "schwache Fleisch", wie die Chris-ten ihn gegenüber dem "willigen Geist“ nannten. Der Körper ist der Tempel der Seele, ein Mysterium, der weibliche Teil der Schöpfung.

3) Tantra ist keine Philosophie, sondern sieht sich selbst als Wissenschaft. Es gibt keine Konzepte, die zu diskutieren wären, sondern nur Erfahrungen, die man mit den unendlich vielen Übungen, die das Tantra anbietet, machen kann. Diese Erfahrungen führen zu wachsender Integration der inneren Widersprüche, damit zur Erfahrung der Einheit, die die einzig existierende Wahrheit ist.

4) Es gibt keine Verbote bezüglich der Nahrung, des Konsums von Genußmitteln, und na-türlich nicht Sexualität betreffend. Aber es gibt Gebote bezüglich der spirituellen Praxis.
Tantra vertraut dem Individuum und stellt vieles in sein Ermessen. Wenn jemand gelernt hat, Verbote einzuhalten, ist er höchstens brav, aber nicht unbedingt ekstatisch.
Ekstase ist Liebe zum Leben und Verehrung der Göttin.
Dennoch weiß auch Tantra um die Unruhe des menschlichen Geistes und daß eine Aus-richtung nötig ist, um Konzentration und Vertiefung, meditative Zustände zu erreichen.
Auch weiß der Tantriker um das Ego, das Nähe fürchtet, sich an den Verstand klammert, Auflösung fürchtet und ozeanische Liebe nicht zuläßt, Barrieren errichtet und ein Hinder-nis ist auf dem Weg zur mystischen Erfahrung.

Zu 1:
Betrachten wir nun den erstgenannten Aspekt: Es gibt kein gut und böse. Kommen da nicht alle möglichen Ängste hoch, daß es ohne Verbote, wie sie zum Beispiel die zehn Ge-bote darstellen, schlimmen Taten und Vorstellungen Tür und Tor geöffnet ist? Tantra geht davon aus, daß der Praktizierende alles Lebendige verehrt, damit sein Bewußtsein schult, die Liebe sucht. Damit ist ausgeschlossen, daß er Mord oder Selbstmord für gerechtfertigt hält.
Nehmen wir ein aktuelles, schreckliche Beispiel. Die Zerstörung des World Trade Centers
als Symbol des Kapitalismus spiegelt den Amerikanern, daß es auch Menschen gibt, denen der Dollar-Imperialismus und die Weltherrschaft des Kapitals ungeheuer zuwider ist. Kein Politiker schlägt solche nachdenklichen Töne an - obwohl es Menschen gibt, sogar Ameri-kaner, die so denken. Die sich Gedanken darüber machen, wie ein solch menschenverach-tender Haß in die Welt gekommen ist. Für die Politiker ist es klar: wir sind die Guten, die Freien, dort sind die Bösen, die Mörder. Das Gute muß mit Gewalt verteidigt werden, die Welt ist schwarz –weiß. Die Spirale der Gewalt wird weitergehen. Wie kann sie dem fried-lichen Zusammen leben der Völker dienen? Das ist von der Gesetzmäßigkeit der Energien her unmöglich. Die angegriffene Nation betrachtet nicht ihre eigenen Schatten: die Gewalt im Land selbst, Vietnam oder den Fanatismus in der eigenen Geschichte, wie die Mac Carthy Periode, den Rassismus gegen Schwarze, der Ku-Klux-Klan....oder eben die Gewalt, die aus dem Tanz ums goldene Kalb kommt.

Doch betrachten wir einen anderen Aspekt, der als sündhaft oder sogar böse diskriminiert wurde im Namen der Religion: die Sexualität. Eine unterdrückte Energie degeneriert und
richtet unter Umständen Schreckliches an. Davon kann ich als Tantra –Lehrerin, die zwanzig Jahre im Feld arbeitet ein Lied singen. Das ursprünglich Gute, von Mutter Natur
jedem Menschen im wahrsten Sinne des Wortes in den Schoß gelegt, wurde im Namen Gottes unterdrückt, als Sünde bezeichnet, diskriminiert und verdammt. Die Seelen der Menschen sind immer noch mit Schuldgefühlen belastet, viele Menschen sind sexuell traumatisiert, viele Frauen kennen immer noch keinen Orgasmus, viele Männer leiden un-ter Erektions –und Potenzstörungen, viele Menschen erleben nie,
was eine voll entwickelte Sexualität bedeutet.
Wie mein Freund Andro (Tantra-Lehrer aus Berlin, Autor mehrerer Bücher über Tantra) sagt:

„Die Lust ist fußkrank. Einen Lahmen muß man erst das Gehen lehren.“

Da jeder Mensch als sexuelles Wesen geboren wird und einfach nichts dafür kann, es ist einfach eine biologische Tatsache, ist die ungeheuerlichste Sünde, die irgend eine Religion begehen kann: daß Menschen sich dafür schämen, sich vor dem eigenen Körper ekeln, se-xuelle Impulse unterdrücken, ihre Lust abschneiden.
Wenn uns auch die Medien ein anderes Bild vorgaukeln, in Wahrheit sind die meisten Menschen alles andere als sexuell frei. Die Liberalisierung zumindest in unserer Kultur hat gerade mal die Oberfläche angekratzt, in der Tiefe schlummern die alten Muster der Selbsverdammung, der Strangulierung der Lebenslust. Die Folge ist ein Leben mit ständi-gem Fuß auf der Bremse, ein Leben auf Sparflamme.
Eine andere Konsequenz ist die Abspaltung der Liebe von ihrer Schwester, der Lust. Die von der Lust abgespaltene Liebe wurde zum hohlen Ideal, in deren Namen die Freiheit ge-knebelt wurde, bis kaum noch ein Mensch weiß, daß Liebe und Freiheit und Lust Ge-schwister sind, die in Wahrheit zusammen existieren. Wer die Lust abschneidet, kastriert die Lebensenergie. Wer die Lebensenergie abschneidet, richtet sich gegen die Liebe, die als Blume im Garten des Lebens blüht. Und wie kann die Seele atmen ohne Freiheit? Da geht es um Themen wie Monogamie oder Polygamie, die gute alte romantische Liebe, Liebe zu sich selbst, wie Freiheit und Bindung miteinander existieren können.

Damit sind wir allmählich bei dem zweiten Aspekt, den ich weiter oben nannte: Sexualität ist nicht nur normal, sondern heilig, das heißt heilend für die Integrität von Männern und Frauen. An diesem Punkt weist uns Tantra den Weg in eine befreiende Perspektive: Wir können unsere eigene Göttlichkeit erkennen, ohne uns irgendetwas abschneiden zu müs-sen. Alles, alles kann ein Tor zum Erkennen der innewohnenden schöpferischen Energie sein: intensives Eintauchen in die Lust befreit uns von der Fessel des Verstandes, tränkt unser Wesen mit der Sehnsucht nach Verschmelzung, reißt die Mauern des Egos ein und macht uns bewußt, daß wir Teil eines größeren Ganzen sind. Wir sind aus der Lust ent-standen, sie ist in jeder Zelle gespeichert, seit der Samen unseres Vaters auf das Ei unserer Mutter traf. Seit ich in meinem 32.Lebensjahr auf die Lehre des Tantra traf, bin ich von tiefer Dankbarkeit erfüllt, fühle mich erlöst von der Spaltung in ein geistiges und körperli-ches Wesen, bin Körpergeistseele in einem Stück.
Hier ist wohl auch die befreiende Botschaft für den modernen Menschen: Du bist gut wie du bist, Mensch, ja sogar göttlich. Um deine eigene Urnatur zu erkennen, die wahre Rück-bindung an den Ursprung zu erfahren, tauche ein in die heilige Lebensenergie und das Le-ben kann ein Tanz sein! Du bist nicht als Sünder geboren, das Leben ist kein Jammertal, erschaffe Dir einen Garten, in dem du und alle, denen Du verbunden bist, in Freiheit leben können. Es ist nicht gottgefällig, verklemmt, sauertöpfisch und neidisch durch das Leben zu gehen. Öffne Deinen Körper für alle Empfindungen, derer er fähig ist, öffne Dein Herz für die Liebe und die Verehrung des Göttlichen in allen Menschen und deinen Geist für die Unendlichkeit, damit du teilnimmst am Mysterium des Lebens.

Auch gibt es eine gute Botschaft für die Frauen: Shakti, der weibliche Aspekt, ist die dy-namische Kraft im Universum! Wird doch der Ursprung des Tantra mit den matriarchalen Kulturen vom Ufer des Indus (vor ungefähr 5000 Jahren) in Verbindung gebracht.

 

Hier ein tantrischer Schöpfungsmythos:

Shiva (der männliche Aspekt im Universum) ruhte im Nichts, vollkommen zufrieden, jen-seits allen Verlangens, ohne Form, im ozeanischen Bewußtsein. Da tauchte Parvathi auf aus diesen Tiefen, sein weibliches Selbst, die Urshakti, die weibliche Kraft. Sie wollte Shiva zum Gatten gewinnen und schoß Liebespfeile auf ihn ab. Für Äonen ließ er sich dennoch nicht stören. Parvati übte sich in tantrischen Disziplinen, den Herrn des Universums zu betören, da bedarf es einiger Geduld. Doch sie konnte nicht aufhören, ihn zu bezaubern mit ihrer Liebe und schließlich gab er nach: die Schöpfung wartete darauf, sich zu materia-lisieren. Als sie sich vereinigten, strömten die Wesen in ihren Körper und der Tanz der Schöpfung begann: das Universum wurde geboren. Mit der Geburt kam auch der Tod, Werden und Vergehen, die Zyklen des Lebens nahmen ihren Lauf....

Damit Männer und Frauen sich an den Ursprung erinnern können, aus dem ihr Leben ent-stand, gab Shiva den Menschen die heiligen Rituale. Im Vereinigungsritual erinnern sich Mann und Frau daran, daß sie zwei Pole einer Einheit sind. Durch Vereinigung zur Erfah-rung der Einheit, im persönlichen ist das Überpersönliche verborgen, der sexuelle Akt wird zum Gebet. Im Ritual werden Menschen zu Göttern transformiert, immer vorausgesetzt, die Praktizierenden lassen Haß, Scham, Furcht, Ekel, Arroganz vor der Tür, nach entspre-chender Vorbereitung und Reinigung. Zumindest für die Zeit des Rituals.
Der Leser dieser Zeilen, als lebenserfahrener Mensch, wird sich fragen, wie eine solche Aufgabe zu bewältigen ist? Tantra ist ein Lebensweg und hat sehr viele Gesichter und As-pekte. Wer wirklich transformiert werden will, geht durchaus auch durch schmerzliche Prozesse der Loslösung von alten Vorstellungen, in Körper und Psyche gespeicherten Traumata, der Konfrontation mit verdrängten und nicht integrierten Teilen seiner Persön-lichkeit.
Aber Tantra hat auch spielerische, leichte Aspekte, Tränen lösen sich auf in ein Lächeln, in Zärtlichkeit und Intimität, ungeahnte Dimensionen des Erlebens tun sich auf. So wie das Leben alle Gegensätze in sich hat, die im Tantra immer als Polaritäten verstanden werden, so versteht sich Tantra als Wissenschaft vom Menschen.

Die Sinne sind offene Tore, durch die die Schönheit der Welt, des geliebten Menschen, der Natur aufgenommen wird, der verwandelnde Klang der Musik, die sensiblen Gefühle des Körpers alles Geschenke der Göttin, die zu ihr führen. Sinnliche Erfahrungen sind kein Hindernis auf dem Weg zu spiritueller Erfahrung sondern ein Grund zur Dankbarkeit, was aber „übersinnliche“ oder meditative Erfahrungen jenseits der Sinne nicht ausschließt, sondern einsschließt. Im Tantra gibt es auch letztlich kein „Innen“ und „Außen“, sondern man geht davon aus, daß Meditation die sinnliche Erfahrung verfeinert, und das umge-kehrt eine innerlich präsente, sinnliche oder auch sexuelle Erfahrung eine Meditation ist.

An dieser Stelle möchte ich die Gefährtin Shivas, Devi (was einfach soviel heißt wie „Göt-tin“), aus dem „Buch der Geheimnisse“ zitieren, einem der wichtigsten tantrischen Werke, das aus 112 Sutren (kurzen Versen) besteht, von denen jedes Sutra eine Meditationstech-nik darstellt. Die Göttin sitzt in Vereinigung mit Shiva und sie fragt ihn:

Oh, Shiva, was ist deine Wirklichkeit?
Was ist dieses von Wundern erfüllte Universum?
Was ist die Beschaffenheit des Samens?
Wer zentriert das kosmische Rad?
Was ist dieses Leben jenseits der durchdringenden Formen?
Wie können wir tiefer eindringen
Jenseits von Raum und Zeit
Namen und Beschreibungen?
Laß meine Zweifel geklärt sein!

Er gibt seine Antwort mit den 112 Techniken, mit denen sie diese Fragen sich selbst beant-worten kann: die Antwort kann nur die mystische Erfahrung sein, die Erfahrung der Ein-heit!

Zum vierten und letzten, hier genannten Punkt:
Die Tantriker forderten ihre Mitglieder auch auf, Dinge zu tun, die dem gesellschaftlichen Code ihrer Zeit und Kultur widersprachen, zum Beispiel der Konsum von Fleisch. Das hat-te vor dem Hintergrund, das alle Hindus strenge Vegetarier sind, einen ganz anderen Stel-lenwert als heute, wo man in einer pluralistischen Gesellschaft einfach den Lebensstil wählt, der einem gefällt. Man kann Fleisch essen oder nur pflanzliche Produkte, das kostet keine Überwindung.
Damit war aber gemeint, Konditionierungen als das zu erkennen, was sie sind: von Men-schen gemacht, sozial tradiert und in der Bedeutung relativ und nicht absolut.

Zu erkennen, wie tief die eigene Konditionierung ist durch das von der Gesellschaft und den Eltern weitergegebene und verinnerlichte Wertesystem – das ist allerdings ein zeitlo-ses Thema für jedes Individuum. Das Individuum beginnt genau genommen erst jenseits der Erkenntnis, wieviel der eigenen Gedanken und Gefühle übernommen sind!
Aus diesem Grund nenne ich meine eigen Schule auch „Tantra für Rebellen“, weil ich einen Teil meiner Arbeit auf diesen Aspekt konzentriere. Ein solcher Rebell ist kein politischer Aktivist, sondern jemand, der bereit ist, gegen den Strich zu leben.
Obwohl das heute viel einfacher ist als früher, sind doch die inneren Zwänge der meisten Menschen viel ausgeprägter als man annehmen sollte wiederum nach dem Bild, das die Medien uns normalerweise vorgaukeln.

Dazu gehört auch der rituelle Konsum von berauschenden Mitteln. Cannabis Indica gehört seit altersher zu Shivas Geschenk an die Menschheit und wird in Nordindien, das histo-risch zum Ursprungsland des Tantra gehört, seit Jahrtausenden, keineswegs nur von Tantrikern, konsumiert.
In den Schriften wird auch „Soma“ genannt, eine Substanz, von er man bis heute nicht weiß, was damit praktisch gemeint war.
Aber es geht immer den sehr bewußten, dosierten Einsatz dieser Ingredienzien.

Eine andere Bsonderheit der Tantriker war, sich mit Menschen einer anderen Kaste zu vereinigen, was von der Umwelt her strengstens diskriminiert war! Der Leser möge sich selber fragen, inwieweit er ohne rigide Kastenzwänge doch auch mit der Wahl der Sexual-partner innerhalb der eigenen Gesellschaftsschicht bleibt.

Freiheit ist Freiheit von inneren Zwängen!
Zum Beispiel, sich vor allem auch sexuell, so zu verhalten, zumindest offiziell, „wie die Leute denken“, ist sehr unfrei. Bürgerliche Doppelmoral paßt nicht in ein tantrisches Be-wußtsein.
Im tantrischen Sinne kann man jede sexuelle Neigung ausleben, solange das mit Bewußt-sein geschieht: heterosexuell, bisexuell, polygam, monogam, homosexuell, oder auch sogar asketisch für eine Weile : Wichtig ist der absolute Respekt für jeden Partner, ob der selber Tantra praktiziert, spielt dabei keine Rolle, zuallererst auch Respekt für einen selbst.
Solange die sexuelle Handlung kein bewußtloser Konsum ist, der den Partner zum Objekt degradiert, ist das in Ordnung. Auch sich selbst kann man degradieren, zum Beispiel bei der Selbstbefriedigung: belastet mit alten Schuldgefühlen, hastig ausgeführt, nur zum Spannungsabbau, kann auch sie keine tantrische Eigenliebe sein!

Zuletzt möchte ich es nicht versäumen, den Leser darauf aufmerksam zu machen, daß das im Westen praktizierte Tantra als Neo –Tantra bezeichnet wird, weil viele moderne Tech-niken der Körpertherapie, des Tanzes oder auch Atemtechniken in der Seminarpraxis
Einzug gehalten haben.
Das ist auch vollkommen legitim, insofern die entsprechende Technik beiträgt zu Körper-bewußtsein, Durchlässigkeit und Beweglichkeit. Ich selber setze die unter anderem die Bioenergetik nach Wilhelm Reich ein, der mit seiner Charakteranalyse und Definition der „orgasmischen Potenz“ eine bis heute stimmige Theorie vom Genitalstau geschaffen hat und praktische Übungen, die diesen beseitigen helfen.

Außerdem gibt es ganz allgemein oft viel Begriffsverwirrung zum Thema Tantra, das von den Medien auch ausgebeutet und manipuliert wird.
Aber es gibt auch viele Lehrer, die nicht kompetent sind, weil der Begriff des Tantralehrers nicht geschützt ist.
Und es gibt auch sogenannte Tantragruppen, in denen gar kein traditionelles Tantra vor-kommt, noch nicht einmal Nacktheit und auch keine sexuelle Vereinigung. Manchmal geht es nur um „Feinstoffliches“. Wiederum andere Anbieter haben eine gewisse Nähe zum Rotlichtmilieu. Es gibt „Tanteradei“, Kuscheltantra, oder auch kaum verhüllte Prostituti-on. Es gibt seriöse Trainer mit Jahrzehnten Erfahrung, kompetente Neulinge und absolut Unwissende, die nach einer eigenen Teilnahme an einem Wochenende sich erkühnen, selbst etwas anzubieten.
Wer zum ersten Mal eine Tantragruppe besuchen will, ist gut beraten, sich vorher zu
gründlich zu informieren!

Körperliche Fitness, mehr Schönheit und mehr erotische Raffinesse, gesteigertes Selbst-bewußtsein, gesteigerte Attraktivität, erhöhte Konzentrationsfähigkeit, aber auch die Fä-higkeit sich fallen zu lassen, zur Entspannung – das sind alles selbstverständliche „Neben-produkte“ eines guten tantrischen Prozesses!

Advaita Maria Bach Wiesbaden, den 28.9.2001