Tantra Blog der Advaita Tantra Schule

25. Juni 2010

erst mal weiter mit Massage

Filed under: Tantra — Schlagwörter: , , — Advaita @ 06:37

hier erst Mal der Fortsetzungsroman: tantrische Massage

“Danach allerdings gibt es meistens die Regel der Askese für eine Nacht, gerade nach der Massage. Eben nicht dem Impuls zu folgen: “ Ach, es ist ja gerade so schön..“ und „lass uns direkt übergehen zur Vereinigung“, sondern die sensible und raffinierte sinnliche Erregung im Körper zu halten, in der Köstlichkeit der Sinne zu schwelgen, sie aber erst sehr viel später zur Erfüllung zu führen. Dabei gibt es aber auch eine Menge Details zu beachten, wie nah vor den „Punkt ohne Umkehr“ vor dem Orgasmus oder auch der Ejakulation die Massage höchstens führen darf, um dann als Energiesteigerung im Körper erfahren zu werden und eben nicht als Versagung des Höhepunktes.
Natürlich gibt es auch männliche Tantriker, die tatsächlich Orgasmus und Ejakulation trennen können nach langem Training, aber der durchschnittliche männliche Kunde gehört wohl kaum in diese Kategorie. Für den Normalmann fallen Orgasmus und Ejakulation zusammen. Von hierher komme ich, wenn ich sage, daß eine Massage, die von vorneherein, das Ejakulieren erlaubt, oder auch der Frau den Orgasmus, streng genommen, nicht tantrisch ist. Und bitte: das ist wirklich nicht als moralischer Zeigefinger gemeint. Geschieht es dennoch, nimmt man das mit einem charmanten Lächeln und selbstredend keinem moralischen Ziegefinger!! Ist doch klar!
Doch zurück zu dem Punkt, warum ich die Tantramassage nie als Einzelsitzung angeboten hätte: ich bekam von möglichen männlichen Klienten reichlich zweifelhafte Angebote, die mich mieten wollten für eine ganze Nacht als tantrische Luxusnutte – da habe ich natürlich nein gesagt, weil meine Vorstellung vom Tantra eine andere war. Das passiert mir heute nicht mehr.
Um jeglichen falschen Vorstellungen vorzubeugen, pflegte ich die tantrische Massage nur für beide Geschlechter in den Seminaren.”

24. Juni 2010

Tantramassagen..

Filed under: Politik & Zeitgeschehen,Tantra — Advaita @ 13:17

“Ich selber habe die tantrische Massage noch unter der Leitung meiner Urlehrerin, Margo Anand Naslednikov, im Rahmen meiner Gesamtausbildung gelernt – das war 1982. Damals war die tantrische Massage noch nirgendwo kommerziell präsent so wie heute. Die Griffe waren auch noch nicht ganz so ausgearbeitet und raffiniert wie heute. Aber es sind auch Griffe, die teilweise weniger mit der direkten Stimulation zu tun haben als vielmehr einer tiefen Muskelentspannung im „Bermuda-Dreieck“, wie wir damals intern jenen Bereich genannt haben, der unter den Sitzknochen ist, unterhalb des Samenstranges beim Mann, die direkte Umgebung des Anus` und die ganzen Ansätze der Gesäßmuskeln. Griffe, die sehr angenehm für den Empfänger sind als auch selten von irgend jemand mal ausgeführt werden. Bei einer normalen Massage sowieso nicht. Diese Muskeln werden selbst bei intensiver Vereinigung auch nicht unbedingt entspannt. Griffe, die heute teilweise in Vergessenheit geraten sind.
Mein verehrter Freund Andro ist zweifellos ein Meister dieser Kunst, was ich durch Erfahrung am eigenen Leibe bezeugen kann.
Er hat viel beigetragen mit seiner Kreativität und seinem Einfühlungsvermögen zur Verfeinerung und Verbreitung dieser Kunst.
Von Tantra abgesehen, gibt es diese Kunst aber auch in anderen asiatischen Liebesdisziplinen wie dem Tao-Yoga, das heute weitgehend von Mantak Chia verbreitet wird. Auch die Chinesen hatten ein Wissen über den Körper, den Energiekörper und gewisse Lustpunkte, die bei Stimulierung und Massage das Lustempfinden erhöhen. Auch die Kontrolle der Ejakulation zur Steigerung der Lust und der Transformation sexueller Energien in spirituelle ist dem Taoisten wohl bekannt.
Dank meiner vielfältigen Kontakte, auch zu ehemaligen Teilnehmern, die nach ihrer Zeit bei mir andere Wege gehen, habe ich reichlich Inspiration und praktische Anregung zur ständigen Verbesserung der erotischen Energiemassage von den Taoisten erhalten.
In neuerer Zeit ist es auch Joseph Conrad, einem homosexuellen Tantra – Lehrer aus den USA zu verdanken, daß es immer mehr Griffe zur Freude des Mannes gibt: er hat „Bodyelectric“ erfunden, eine Methode, die auch sehr viele SchülerInnen gefunden hat und ganz neue Ideen eingebracht hat in diesen Bereich der tantrischen Künste. Heute gibt es dort aber auch Massagen für Frauen.
Dazu kommt, daß es auch bei primär nicht tantrischen Massagen, wie der „Postural Integration“ nach Jack Painter, also einer eher therapeutischen, systematischen Tiefengewebsmassage als auch sogar beim Rebalancing, sowohl genitale als auch anale Griffe gibt, die einem Tantriker zu kennen wohl ansteht. Hier gelten die Griffe der Heilung, allerdings nicht im esoterisch aufgebauschten Sinn, sondern schlichtweg der physischen Entspannung, geht man davon aus, daß jede chronische Muskelanspannung, ganz egal wo im Körper, ungesund ist und außerdem eine Analogie bietet zu einer psychischen Verspannung.
Damals, in den frühen Achtzigern, als ich dann auch meine Selbstständigkeit als Tantra-Lehrerin begann, wäre ich nie auf die Idee gekommen, diese Kunst separat als Einzelsitzung anzubieten. Innerhalb der Seminare hatte ich gelernt, daß die erotische Massage sowohl Shiva als auch Shakti sehr entspannt vor dem Ritual und natürlich auch dem tantrischen Grundsatz dient: erregen und innehalten, erregen und innehalten, immer wieder. Das heißt, die Kunst zu lernen, dem Trieb zur schnellen Befriedigung zu widerstehen, manchmal, um die sexuelle Energie durch yogische Techniken tatsächlich zu sublimieren oder auch im Sinne einer Luststeigerung, die sehr viel tiefer ist und die auch letzten Endes sehr viel befriedigender ist als ein schnelles „Kommen“. Der Zusammenhang, in dem ich die Massage kennen gelernt hatte, war immer gegenseitig für Mann und Frau. Und in Wahrheit macht es mir auch heute noch die meiste Freude, auf diese Weise die erotische Massage zu vermitteln, zu geben oder auch zu empfangen: im Rahmen eines längeren Tantraseminars, als stundenlanges, ausgiebiges Vorspiel für beide Geschlechter vor einem großen Vereinigungsritual.”
morgen gehts weiter Advaita

1. Juni 2010

Polygamie in Tradition und Moderne

Filed under: Tantra — Advaita @ 07:51

Zur Zeit gross in den Medien: Polyamourie als Lebensstil. Hier ein Artikel von mir, etwas älter, dennoch hat sich seit Erstellung wenig geändert. Schade, dass dieser Trend scheinbar mit Tantra sehr wenig zu tun hat.

Das gute alte Modell der (inzwischen) seriellen Monogamie hat beileibe immer noch nicht ausgedient. Die allermeisten Menschen leben immer noch nach diesem Beziehungsmodell, das schon in den späten Sechzigern des letzten Jahrtausends zum Auslaufmodell erklärt wurde.  Die Polygamie (ein Mann mit mehr als einer Frau) oder die Polyandrie (eine Frau mit mehr als einem Mann)  hat es historisch immer wieder gegeben – und doch haben diese historischen Modelle mit dem, was wir in einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft darunter verstehen, im Allgemeinen wenig zu tun. Im Himalaya, im Staate Mustang, gibt es die Polyandrie, das heißt eine Frau heiratet einen Mann und bekommt dann den Bruder dazu. Auf diese Weise wird verhindert, daß das Land in zu kleine Parzellen aufgeteilt wird, die zu bewirtschaften sich nicht mehr lohnen würde. Wenn einer der beiden gerade mit der Frau sich vereinigt, dann stellt er seine Schuhe vor die Tür; so weiss der Bruder beim Anblick der Stiefel, daß die gemeinsame Ehefrau heute Nacht nicht frei ist An eine sexuelle Begegnung zu Dritt im Bett würden diese Nomaden wohl nicht denken, weil dafür zumindest die zwei Brüder leicht homoerotische Neigungen haben müssten. Vielleicht haben sie die, aber sie gestehen sie  sich nicht ein.

Und natürlich wollen wir auch nicht den muslimischen Ehemann nachahmen, der bis zu vier Frauen haben kann, wenn er sie nur  ernähren kann.

Da ist die moderne „Polyamoury“ – Bewegung vollkommen anders gestrickt, die im „prüden“ Amerika begann vor ungefähr 20 Jahren und sich inzwischen über die ganze Welt verbreitet hat. Amerika hat viele Gesichter und nicht alle sind verklemmt. Nicht zufällig hieß diese Land einmal “das Land der Freien“!! Ein Gedanke, der beim Bush – Amerika besonders schwer fällt, aber die Menschen, die in und um San Francisco herum leben, sind doch außerordentlich freiheitlich gesinnt. „Polyamoury“ heißt soviel wie „Vielliebe“ und wird teilweise auch von Ehepaaren praktiziert, die die „Vielliebe“ als Mehrfachehe verstehen, wobei hier Ehe bedeutet, daß die Beziehung zwischen mehreren Menschen gepflegt wird und genau so ernst genommen wird wie die Ursprungsehe, aus der die Beteiligten kommen.

Es gab vor ungefähr acht Jahren, als ich in Hawaii Urlaub machte, auch in tantrischen Kreisen, eine gehörige Aufregung über diese Bewegung, die sich aber inzwischen gelegt hat.  Wenn es auch im Tantra so gut wie selbstverständlich ist, daß jeder Shiva und jede Shakti bereit sein sollte, sich mit einem oder mehreren Partnern zumindest rituell zu vereinigen, ist diese Bewegung meines Wissens nicht aus tantrischen Wurzeln gespeist.  Gerade die rituelle Begegnung hat ja auch mit Beziehung gar nichts zu tun.   Im Tantra sieht man es eher als Hindernis an, wenn die Begegnung während des Rituals die persönlichen Aspekte nicht transzendiert, zielt Tantra doch in eine andere, nämlich die spirituelle Richtung. Es geht um viel mehr als Freiheit von bürgerlichen Normen. Es geht hier um die umfassende Freiheit des Geistes.  Bei „Polyamoury“ geht es um die Bereicherung des menschlichen Beziehungsgeflechts, aber weniger um die Verfeinerung der amourösen Kunst selber.  Auf den Präsentationen der  Bewegung geht es eher darum, wie man so eine Mehrfachehe ohne Eifersucht und störende Gefühle als Bereicherung des bisherigen monogamen Lebens erfährt und dann auch praktiziert, als darum zum Beispiel, wie man den Sex zu dritt oder zu viert oder mit noch mehr Teilnehmern praktiziert, ohne, daß es zugeht wie im Swingerclub, wovon die meisten sich absetzen wollen.

Ich persönlich habe sehr viele verschiedene Modelle gelebt und lebe sie noch und eines weiss ich deshalb auch: kein Modell des Zusammenlebens  oder auch ein Beziehungsmodell ohne Zusammenleben erspart mir Auseinandersetzungen mit mir selbst als auch den oder dem Anderen.  Jede Beziehung, die verliebt oder in Liebe beginnt, kann in Hass umschlagen, wenn diese Liebe abgewehrt, nicht angenommen oder verraten wird.

Grundsätzlich steht jede Beziehung, ausgesprochen oder unausgesprochen, bewusst oder unbewusst, unter den zwei Polen Bindung und Freiheit.   Die Freiheit ist auch nicht immer die sexuelle, sondern es kann auch schlichtweg um Freiraum gehen, den sich der Einzelne selber nimmt, Urlaub von der Beziehung für eigene Interessen, die man eben mal nicht mit dem anderen teilt. („Even lovers need a holiday“ heißt ein alter Rocksong)

Zuviel Bindung lässt die Beziehung nach einer Weile zum Gefängnis werden; aber ich kenne auch moderne, offene Beziehungen, wo die Freiheit die Bindung so sehr lockerte, das am Ende keine Beziehung mehr da war – sie ist einfach im Sand versickert.

Jede lebendige Beziehung bewegt sich in der Balance zwischen beiden Polen,  mehr Freiheit bedeutet auf jeden Fall mehr Verantwortung und ein Bewußtsein, das die Beziehung nicht statisch festlegen will als ein Set von Erwartungen, die bei Nichterfüllung eingeklagt werden können auf Grund eines vorher vereinbarten Wertesystems. Oder eines Wertesystems, das einfach unausgesprochen als Voraussetzung angenommen wurde.

Mehr Freiheit bedeutet auch weniger emotionale Geborgenheit – normalerweise. Ich kann mir aber auch eine Mehrfachehe vorstellen, in der alle Beteiligten einander „treu“ sind und nach und nach dieselbe Geborgenheit entsteht wie in der guten, alten Einehe.

Ich habe einmal mit zwei Männern eine sehr sexuelle, tantrische Beziehung gehabt und fühlte mich aufgehobener denn je bei beiden Männern, meine Bedürfnisse mehr abgedeckt, mich selbst mehr „bedeckt“ von beiden, rundum zufrieden mit der Lust, Viel mehr als mit einem Mann summte und surrte ich vor Zufriedenheit den ganzen Tag lang. Selbst flirten mit noch anderen Männern war mir zuviel!

In den Tantragruppen gibt es immer wieder Paare, die behutsam und allmählich die Freiheit lernen wollen und das auch tun.  Zum Beispiel nehmen sie das erste Mal beim Vereinigungsritual einen anderen Partner. Dann sind sie selbst erstaunt, daß es sogar wunderbar geht! Sie selbst haben das Ritual genossen, der andere genau so.

Ja, sie sind einander dankbar, sich gegenseitig die Freiheit geschenkt zu haben und fühlen sich verbundener denn je. Solche Paare gibt es; aber auch solche, die im Seminar feststellen, daß sie so viel Brast aufeinander haben, daß sie das Ritual gar nicht miteinander machen können!!

Natürlich gibt es auch Einzelpersonen, die die Freiheit lernen wollen,  die keinen kontrollierenden Partner haben, dafür aber reichlich Sex unterdrückende Konditionierungen, Schuld und Schamgefühle.

Was ich im Folgenden beschreibe, entsteht ausschließlich im letzten Abschnitt der Jahresgruppe „Tod und Wiedergeburt“ oder im kleinen aber feinen Kreis der Fortgeschrittenen, wo jeder jeden schon länger kennt, es schon häufiger tantrische Begegnungen  der übersichtlicheren Art statt gefunden haben, Kondome direkt griffbereit da liegen, alle einen Aids -Test haben und außerdem von „außen“ Helfer, die Musik machen, aber auch schauen, daß nirgendwo schräge Gefühle entstehen. Und wenn sie entstehen, diskret betreuen, ohne daß im ganzen Pulk  der Fluss abbricht.

Wir nennen das den „Tantrischen Knoten“: Leiber winden sich durcheinander, in diversen Geschwindigkeiten oder auch Nacktheiten. Die anderen berühren dich oder auch nicht, jemandes sexy Hand oder Bein oder Bauch kommt vorbei und Du berührst und küsst, ohne zu wissen, wer genau gerade in den Genuß Deiner Zärtlichkeiten kommt. Hier und da kann sogar Vereinigung entstehen. Jemand berührt und küsst Dich und Du weißt nicht, wer es ist. Du genießt und genießt, du lässt dich fallen, fallen, fallen und schwimmst im Urmeer der menschlichen Zärtlichkeit, die sehr sexuell werden kann, aber nicht muss. Die Person spielt keine Rolle – aber im ganz positiven Sinn. Die geliebte Körperlichkeit spielt eine Rolle und der unbewusste Traum, wie es vielleicht mal war in einer Art tantrischem Paradies.

Du kannst einmal jedem erotischen Impuls nachgeben, es gibt keine Regeln, keine Verbote, keine Rück – oder Nachsicht. Der Kopf schaltet sich aus, du schwimmst auf den Wogen des Gefühls, auch die Unterscheidung von Sex und Liebe und Zärtlichkeit und Intimität oder auch purem Spaß verschwinden, weil jegliche Unterscheidung aus dem Kopf kommt.  Durch die vorher genannten Vorsichtsmaßnahmen können auch keine Krankheiten oder ungewollte Kinder entstehen. Erst muß der solide Rahmen geschaffen werden, dann können die Energien innerhalb dieses beschützten und gehüteten Raumes von der Leine gelassen werden.

Das geht nur, wenn jeder Teilnehmer volles Vertrauen in die Situation hat. Intimität ist etwas, das wachsen muß. Dieses Wachstum des gegenseitigen Vertrauens kann auch in anderen als sexuellen Methoden füreinander entstehen im Verlauf eines Jahrestrainings.

Jenseits von Tantra gab es zumindest in den wilden Sechzigern Visionen einer größeren sexuellen Freiheit: „Make Love, not War“ forderten die Hippies die Gesellschaft auf vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges. Und wissen es nicht die tantrischen Götter: auch der heutigen Zeit könnte ein solches Motto gut zu Gesicht stehen, doch heute lächelt man nur müde über solche Sprüche. Sie klingen naiv in einer zynischen Zeit.

Wurde doch noch nirgendwo über ein Zuviel an Liebe geklagt, wohl aber über ein Zuviel an Krieg und Totschlag! Auch die Sannyasbewegung hatte in ihren Anfängen sehr viel sexuelle Libertinage im Gepäck. Aber AIDS änderte dann viel, im Großen wie im Kleinen, innerhalb der Sannyasbewegung und innerhalb der Gesellschaft. Auf einmal ist die feste Partnerschaft einfach wieder sicherer, Vorsicht besser als Nachsicht, auch gibt es massenweise Tantra – Veranstalter, die das heiße Eisen Vereinigung gar nicht mehr anfassen – obwohl das doch die zentrale tantrische Kunst ist.

Immer noch gibt es viele Gruppen und Grüppchen, die die sexuelle Freiheit auf ihre Fahnen geschrieben haben. Zum Beispiel die Leute vom ZEGG mit Babette und Dieter Duhm. Doch die kümmern sich wenig um dien Schatten der freien Liebe: Eifersucht und mögliche Ansteckungen…Aber heute bekommen solche Gruppen grundsätzlich weniger Interesse von den Medien als damals.

Doch kehren wir zurück zur Entscheidung des Einzelnen. Heute ist es eine Frage des „Lifestyles“, wie ich leben möchte. Zumindest in den Großstädten. Auf dem platten Lande sieht das wohl etwas anders aus.  Tatsächlich könnte ich persönlich auch keiner Lebensform die Goldmedaille  geben als allein selig machend.

Auch die gute, alte Monogamie hat durchaus etwas für sich. Es gibt Räume zwischen Mann und Frau, die entstehen nur da. Zum Beispiel, wenn man frisch verliebt ist. Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, daß  im Zustand der Verliebtheit  bestimmte Hormone im Gehirn ausgeschüttet werden, die meine Gefühle fixieren auf einen einzigen Menschen. Nur diese Stimme erregt mich, macht mir Schmetterlinge im Bauch, nur dieser eine Mensch hat den Schlüssel zu meiner Seligkeit! Obwohl dieses Gefühl ein fundamentaler Irrtum ist, ist dieser Irrtum sehr notwendig, sehr grundlegend, um die Menschheit am Laufen zu halten! Verliebtheit geht aber immer vorbei und macht im besten Fall Platz für die Liebe. Die ist ein ruhigeres Gefühl und man kann durchaus mehrere Menschen lieben. Gibt es doch auch viel Arten der Liebe!!

Auch ich habe teilweise monogam gelebt (auch in „tantrischer“ Zeit) und hatte währenddessen den Eindruck, daß das auch für mich sehr stimmig sein kann, wenn ich energetisch ausgelastet bin von dem einen Partner. Ja, es kann auch eine sehr gewählte und gewollte Konzentration der Energie sein, wenn ich  nicht mit einer sexuellen Gießkanne durch die Welt gehe, sondern einen Focus, einen Brennpunkt schaffe, speziell mit einem tantrischen Partner.  Auch die Monogamie kann tantrisch sein, wenn sie von beiden Partnern gewusst gewählt für eine bestimmte Zeit und nicht von der Gesellschaft im Voraus bestimmt wurde.

Aus einer romantischen Monogamie in eine lustbetonte Dreierbeziehung – das war Grenzen sprengend damals. Ich bemerkte an mir selber, daß der eine Mann etwas anderes aus mir herausholt als ein anderer Mann. Auf Fotos mal mit dem einen, mal mit dem anderen Mann zusammen, schaute mir eine  jeweils andere Frau entgegen – und jedes Mal war ich die Frau! Und die ozeanischen Wogen erotischen Genusses in einer Nacht zu dritt  mit zwei potenten Männern, die um mich bemüht waren, hatten eine andere Qualität als auch die befriedigensten Momente einer monogamen Nacht, und die wieder eine andere wie der Fluss der Entgrenzung in einer tantrischen Orgie!!

Doch betrachten wir uns kurz und bündig, was der Freiheit entgegen steht: das unkritische Übernehmen der alten Beziehungsmodelle, das in allen konservativen Gesellschaften oder Gesellschaftsanteilen normal und üblich ist; die Eifersucht; manchmal Mangel an Gelegenheit. Für die meisten von uns oder auch den geneigten Leser  ist es wahrscheinlich hauptsächlich die Eifersucht, die uns zu schaffen machen würde. Gelegenheiten können wir kreieren, und kritiklos übernehmen wir hoffentlich nichts von niemandem.  Die Eifersucht selber ist ein Cocktail aus mindestens drei Gefühlen: beleidigte Eitelkeit, Verlustängste, ein Schwinden der Kontrolle über das Leben des anderen. Falls exclusive sexuelle Beziehungen vereinbart waren, kommt natürlich auch das Gefühl des Verrats hinzu.  Die Verlustängste haben ihre Wurzel oft in der Kindheit, weil nie genügend elterliche Liebe vorhanden war und deshalb bleibt ein unerfülltes Bedürfnis nach Geborgenheit und Zugehörigkeit. Dieses Bedürfnis wird in die erwachsene Beziehung mitgenommen. Deshalb tut sich ein solcher Abgrund auf, wenn es aufs Neue frustriert wird.  Wenn wir bereit sind, in uns selbst Geborgenheit zu finden, dann können wir eher den anderen loslassen. Mit ihm die Energien teilen, müssen ihn aber nicht kontrollieren und lassen uns auch nicht kontrollieren.

Am schlimmsten aber sind Lügen, die so weit verbreitet sind, weil es so bequem ist. Den Partner in der Illusion zu lassen, er oder sie sei die Einzige in meinem Leben ist ja soviel einfacher als um eine loyale, aber offene Beziehung zu ringen. (70% aller Ehemänner gehen ein oder mehrere Male fremd während ihrer Ehe. Frauen  auch.)

Ihm oder ihr aber auch bei zu bringen, daß es nicht heißt, ich liebte ihn oder sie nicht, weil ich mit anderen Menschen das erotische Vergnügen teile. Ja, daß es sogar möglich ist, ihn oder sie weiter zu lieben, auch wenn ich einen anderen liebe – das ist viel mehr als einen Seitensprung beichten. Das heißt, eine  andere Lebensform finden.  Wenn das ganze Gruppen tun, dann haben wir eine Bewegung wie Polyamoury.  Es gibt aber auch Menschen, die können sich nicht tief einlassen, halten sich für frei; haben aber eine Beziehungsphobie – das ist hier nicht gemeint.

Das Thema ist sowohl faszinierend als auch komplex – leider fehlt hier der Raum, mehr auf die möglichen inneren Widersprüche ein zu gehen, die einem Wanderer in das Land Freiheit begegnet: muß er doch unterscheiden zwischen Hingabe und Selbstaufgabe, zwischen Abhängigkeit und Liebe, zwischen Freiheit und abweisender Distanz,  Egofallen und Beziehungsfallen. Der ewige Tanz der Ambivalenzen: nur, wer weitestgehend frei ist von alten Schuld – und Schamgefühlen und sein zitterndes Herz freigelegt hat mag das Land schauen und schon in ihm leben, in dem Freiheit und Liebe Geschwister sind und nicht vermeintliche Feinde.

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