Tantra Blog der Advaita Tantra Schule

10. September 2010

Orgasmus

Filed under: Allgemein — Schlagwörter: , , , — Advaita @ 08:50

Liebe Leser, jetzt habe ich mich lange nicht gemeldet – weil ich mein Buch schreibe.
Hier ein Artikel über das Thema Orgasmus, das ist auch das nächste Seminar, das Interesse ist groß, Plätze noch frei..
Der kosmische Orgasmus
Mit vier Jahren entdeckte ich eher zufällig, so kam es mir vor, dass ich mir durch Aneinanderpressen der Oberschenkel ein lustvolles Gefühl verschaffen konnte – obwohl ich noch nicht ein Mal die Bedeutung des Wortes Lust kannte: es gehörte nicht zum täglichen Sprachgebrauch in unserer Familie, noch weniger natürlich der Begriff „Orgasmus“.
Spektakulär aber war, was eher als Folge dieses angenehmen Gefühls zwischen den Beinen geschah, nicht dabei, sondern, so weiß ich heute, direkt beim Orgasmus: ein riesengroßes goldenes Auge vor nachtschwarzen Hintergrund erschien mir (natürlich bei geschlossenen physischen Augen), durch dessen Pupille ich abtauchen konnte in einen unendlichen Raum, der mir das Gefühl von Schwerelosigkeit vermittelte – natürlich waren dies Vorgänge geistiger Art, und dennoch erlebte ich sie als wirklich. Die Schwerelosigkeit war nicht beängstigend, sondern merk-würdig – aber auch nicht im üblichen Sinne „glücklich“. Dieses Geschehen konnte ich immer initiieren, wenn ich mich stimulierte. Es war sehr geheimnisvoll, erlöste mich für eine kleine Zeit von der teilweise als unerträglich erfahrenen Umwelt. Das Erleben des goldenen Auges selbst ließ mich die Zeit vergessen, so dass ich hinterher nie sagen konnte, wie lange es gedauert hatte; fünf Minuten, zehn Minuten, eine halbe Stunde – es hing eher davon ab, wann ich gestört wurde, lebten wir doch zu viert in einem einzigen, wenn auch sehr großen Zimmer. Ich fühlte intuitiv, dass ich besser leise war dabei und ich erzählte niemandem davon. Dieses Geheimnis gehörte nur mir, mir allein.
So dachte ich.
Eines Tages, ich war gerade wieder im Weltraum masturbatorisch unterwegs, hörte ich die scharfe Stimme meiner Mutter: „Maria, was machst du denn da?“ Ich wusste nichts zu antworten, standen mir doch gar keine Worte zur Verfügung für mein „Machen“ oder Erleben! Meine Mutter versuchte mir, klar zumachen, dass das „unanständig“ sei, diese Aktivität, und dass ich sie lassen sollte. Ich schwieg dazu und machte heimlich weiter, wann immer das möglich war. Doch das goldene Auge erschien mir nicht mehr – ich konnte “machen“, was ich wollte, der Weltenraum, die Schwerelosigkeit, das Geheimnis, das Mysterium – zerstört durch die Worte meiner Mutter, durch das Gift des Schuldgefühls, obwohl die Lust, mein kleiner vierjähriger Orgasmus, rein körperlich noch funktionierte.
Sie hat mich nicht geschlagen, sie hat mich nicht mit demütigenden Worten verdammt, ihre Stimme beruhigte sich auch nach der ursprünglichen Schärfe, die wohl eher ihrem eigenen Erschrecken entsprungen war, eher liebevoll und geduldig erklärte sie mir die Unanständigkeit. Katholisch erzogen, wie sie war, glaubte sie wohl, mich zu behüten.
Heute, viereinhalb Jahrzehnte später, fühle ich auf ein Mal, beim Schreiben dieser Zeilen, etwas Mulmiges in der Magengrube – es ist nicht zu fassen: Angst davor, erwischt zu werden! Sie ist schon zehn Jahre tot, ich selbst bin inzwischen Großmutter – wie tief sind doch die in der Kindheit verankerten Reflexe!
Ungezählt die seitdem erlebten Orgasmen verschiedenster Dauer und Qualität – und doch scheint es mir, als sei das goldene Auge ein Schlüsselerlebnis gewesen, das auf jeden Fall mitspielte, als ich mit zweiunddreißig Jahren auf Margo Anand (meine Lehrerin) traf und die bis heute spirituell wichtigste Meisterfigur meines Lebens: Osho, damals hieß er noch Bhagwan Sri Rajneesh. In seinen Anfängen wurde er von den Medien als Sex- Guru bezeichnet, was in seiner späten Phase, selbst noch zu seinen Lebzeiten und heute erst recht, manchmal vergessen ist. Seine eigene tantrische Phase war in den Siebzigern des 20.Jahrhunderts – ich habe sie selbst leider nicht mehr miterlebt und kenne seine Äußerungen zum Tantra nur aus den Schriften, die alle Aufzeichnungen seiner Lectures sind.
Er hat viel über den Orgasmus gesagt, folgendes Zitat habe ich ausgesucht:
„Orgasmus ist Ekstase. Orgasmus ist Verloren – Sein in Zeitlosigkeit. Orgasmus ist, wenn dein ganzer Körper mit einer unbekannten Energie vibriert, die dir vorher nicht begegnet ist. Während des Orgasmus` bist du Gott sehr nahe.
Das Wort „Orgasmus“ kommt von „Orgia“ – das war eine religiöse Zeremonie, eine heidnische Zeremonie: wenn die Menschen sehr ekstatisch wurden, so ekstatisch, dass ihr ganzer Körper erfüllt war von göttlicher Energie und sie fast platzten vor lauter Energie, und sie sich in dieser Energie geradezu verloren haben: dann nannten sie das Orgie – das war so etwas wie Tantra. Es war dionysisch – das ist die Wurzel des Wortes „Orgasmus“.
Männer fühlen ihn auch selten. Wenn dein ganzer Körper zittert, nicht nur dein sexuelles Organ, wenn du von den Zehen bis zum Kopf ein sexueller Orgasmus wirst, dann wirst du ein sexuelles Organ….das ist das Symbol des Gottes Shiva; du musst es in Indien gesehen haben, das Shivalingam . Manche wundern sich und sagen: „Wo sind die Augen und wo ist die Nase und wo ist der Mund und wo sind die Beine? Und was für eine Art Darstellung ist dies?“ Das ist das Symbol des Orgasmus: wenn sich der ganze Körper in dieses Organ verwandelt. Augen, Mund, Körper, Geist – alle lösen sich auf in Sexualität, in Sinnlichkeit, in eine Art immenser Empfindsamkeit. Das ist die Bedeutung des Shivalingams.“
„Fly without wings, walk without feet, and think without mind“
An andere Stelle behauptet er, dass die orgasmische Erfahrung Grundlage sei nicht nur für das Tantra, sondern auch für den Sufismus, den Taoismus und den Zen -Buddhismus.
Dass die Qualität der Zeitlosigkeit beim Orgasmus den weisen Begründern dieser spirituellen Traditionen gezeigt hätte, dass, wenn es eine kleine Möglichkeit gäbe, eine kleine Tür für den Geist, sich von der Bedingtheit der Zeit zu lösen und sich in die Unendlichkeit aufzuschwingen, sie geahnt hätten, dass das auch „für immer“ möglich sein müsste.
Auf diese Weise hätten sie die Meditation entdeckt, ihre diversen Methoden entwickelt und natürlich auch die „Erleuchtung“.
Bezugnehmend auf meine eigene frühkindliche Erfahrung kann ich dieser Aussage zunächst zustimmen, erst ein Mal hundertprozentig. Das war Tantra, das Zusammenfallen von sexueller Tätigkeit und meditativer Ruhe des alltagsgeschwätzigen Geistes, auch noch vollkommen aus sich selbst heraus – ohne jegliche Anstrengung. Und das kosmische Licht-und Raumerlebnis war noch mit eingeschlossen.
Nur: bis heute und trotz fast drei Jahrzehnten Tantra erscheint mir das goldene Auge keineswegs automatisch bei jedem Orgasmus sei er nun tantrisch initiiert oder „normal“.
Bezugnehmend auf Oshos Zitat, möchte ich darauf hinweisen, dass bei den dionysischen Ritualen, soweit es mir bekannt ist und was die Wissenschaft darüber weiß, der rituelle, wilde Gruppensex auch durch berauschende Getränke – und keineswegs nur Wein – stimuliert wurde und betörende Musik eine Rolle dabei spielte. Die Beteiligten kamen nicht durch Sex alleine in die tranceartige Nähe zu den Göttern.
Und ich würde Osho auch gerne fragen: „Selbst im Leben eines ganz normalen Menschen, gibt es nicht auch andere Augenblicke, in denen er der Meditation und der Stille nahekommt? Zum Beispiel bei ergreifenden Naturerlebnissen?“
Dazu kommt, dass im klassischen Tantra, dem rituellen Tantra, der Orgasmus kunstvoll kanalisiert und kontrolliert wird, um die sexuelle Energie den höheren Chakras zuzuführen, also sehr bewusst versucht wird, die sexuelle Energie in spirituelle Energie umzuwandeln.
Der Sadhaka (Praktizierende) befindet sich im tantrischen Ritual im Grunde die ganze Zeit zwischen den zwei Polen des Kontrollierens und des Loslassens – mit einfacher Unschuld und dem Eintauchen in die sexuelle Energie allein ist es hier nicht getan. Eine sehr komplexe Angelegenheit, die damit zu tun hat, dass wir als Erwachsene immer die selbstverständliche, unschuldige, kindliche Nähe zum Göttlichen verlieren und dass es eine Menge Arbeit ist, auf einer erwachsenen Stufe diese Nähe wieder herzustellen. Und nicht jeder sexuelle Akt, auch nicht jeder befriedigende sexuelle Akt hat Nähe zu göttlichen Dimensionen.
Bei allem, was Osho über Tantra sagt, war mir immer bewusst, dass er über die Essenz spricht, nicht über Details der tantrischen Praxis.
Zu seiner Aussage über Shivalingam.: Irgendwann in meinem tantrischen Liebesleben befand ich mich in einer sehr tiefen Vereinigung, die Bewegungen des Beckens wurden immer rhythmischer, jenseits meines Willens, in einer mir bis dahin unbekannten Dimension, wir waren, ich war nur noch Rhythmus, Atem und Stöhnen – und plötzlich öffnete sich in meinem dritten Auge eine Vision: ich sah die Menschheit als Hecke in meinem ganzen inneren Gesichtsfeld – alle in Vereinigung, sie steckten ineinander, bewegten sich rhythmisch wie wir, auseinander geboren werdend, sich wieder dem Akt hingebend, stöhnend, mal getrieben, manche mit animalischen Gesichtern, manche selig verschmelzend mit edel-entrücktem Gesichtsausdruck, ineinander sterbend, aber sobald einer starb, wurde er ersetzt, nahm ein neue Person den Platz in der Hecke ein und vereinigte sich – aber alle folgten einem Naturgesetz, stärker als jedes einzelne Individuum und auch die Qualität der einzelnen Vereinigung spielte hier keine Rolle! Dann wurde alles immer schneller, wie in durch ein Fernrohr gesehen von der „falschen“ Seite verschwand der Blick auf Einzelheiten, die Hecke mutierte in ein endloses Lichterband, in ein Myriaden umfassendes Lichterband.
Mir war intuitiv klar: jedes Individuum ist ein Lichtpünktchen, auch ich, mein Partner, jeder, selbst der bedeutendste Mensch ist angesichts der Unendlichkeit kosmischer Vorgänge in der Schöpfung: ein Nichts! Ein winziger Bestandteil, ein Atom…
Dann wurden mein Partner und ich in die Vision hineingezogen –und damit hörte sie auf! Stärker habe ich nie die allumfassende Gesetzmäßigkeit und Kraft der Sexualität gesehen. Die Erfahrung war egozerstörend, aber nie konnte ich es anderen, denen ich davon erzählte klar machen, dass es trotzdem nicht schlimm war! Obwohl diese Erkenntnis auch erschreckend war – über die Unwichtigkeit de Einzelnen, so hatte sie auch etwas Erlösendes…obwohl es auch nicht „selig“ war im üblichen Sinne…
Tatsächlich übersteigt es meine sprachlichen Fähigkeiten, die Qualität dieser Vision noch besser in Worte zu fassen, mein Gefühl sprachlich auszudrücken.
Soviel an dieser Stelle zur Nähe von mystischen Erfahrungen und Orgasmus.
Danach hatte ich noch viele Vereinigungen – dennoch wiederholte sich auch diese Erfahrung nicht. Es gab noch viele andere mystische, tantrische Erfahrungen – aber die überlasse ich im Augenblick dem fruchtbaren Schoß des erinnerten, aber noch nicht erzählten Schatzes an Ereignissen zutiefst spiritueller Qualität.

Ich möchte mich jetzt ein Mal den Widersprüchen widmen, die sich auftun, wenn man es sich zu einfach macht mit dem Thema. Dabei geht es um Wilhelm Reich, um die „Funktion des Orgasmus“, um Osho und meine Erfahrungen mit Seminarteilnehmern und natürlich –da es wieder um Gesetzmäßigkeiten geht, immer auch um die eigene Person.
Und ausnahmsweise geht auch nicht um den klitoralen, vaginalen, multiplen oder häufig blockierten Orgasmus – darüber habe ich schon oft geschrieben, hier und in anderen Zeitschriften.
Sondern ich möchte ein Paradoxon beschreiben, das mit der Körpertypenlehre, von Reich mit der „Charakteranalyse“ begonnen, von Alexander Lowen weitergeführt, von Bäurle –teilweise zu humorvoll – beschrieben, einher kommt. Ich habe diese Körpertypenlehre seit dreißig Jahren immer wieder bestätigt gefunden in meiner körpertherapeutischen Arbeit.
Aber ich habe auch Kritik – das sei aber alles ein Mal hintan gestellt.
Es ist die systematische Wissenschaft von den Muskelpanzern, die den Orgasmusreflex behindern im Becken, die im Gesicht ein künstliches Lächeln einfrieren, uns manchmal Schmerzen machen, aber manchmal auch so chronisch sind, dass wir sie gar nicht mehr merken..
Ganz kurz, zur Auffrischung oder für die Leser, die davon noch nicht gehört haben:
Es gibt fünf Grundtypen: den Oralen(dünn und bedürftig), den Shizoiden (dünn und ängstlich), den Masochisten(beleibt und muskulär am stärksten gepanzert, vor allem an den Schultern), den Psychopathen (wohlproportioniert, „phallisch-narzistisch“ in Lowens Sprache), den Rigiden (eher athletisch, leistungsbetont). Natürlich sind die meisten Menschen Mischtypen und man muss sich schon gut auskennen, um wirklich damit zu arbeiten. Doch auch das soll hier mal Nebensache sein.
Die Körpertypen sind hier aufgezählt in der chronologischen Zeit ihrer Entstehung in der Kindheit.
Die erste drei gelten als genital nicht voll entwickelt, das heißt, sie haben aus sehr verschiedenen Gründen einen blockierten Orgasmusreflex und gelten – zumindest an der Oberfläche –als „ich-schwach“ und feldabhängig. Die letzten beiden der „Psychopath“, dessen Thema die Macht ist, und der „Rigide“, dessen Thema die Leistung ist, gelten als genital voll entwickelt, “ich-stark“ und feldunabhängig. Diese beiden haben keine sexuellen Funktionsstörungen, der Orgasmusreflex ist nicht blockiert und sie gelten sexuell als verführerisch, aktiv und attraktiv.
Wie passt das zusammen mit der Aussage, dass es ja auf die Hingabe ankommt beim Orgasmus, das heißt, der Orgasmus ist ja ein Ich-Verlust?
Wieso können die Ich-starken sich sexuell eher hingeben als die, deren Ego schwächer entwickelt ist und die eine große Angst vor genau diesem Kontrollverlust haben, der zugelassen werden muss, um den Orgasmus zu erleben?
Ich zitiere Wilhelm Reich über die „orgastische Potenz“, ein sehr wichtiger Begriff, der nicht zu verwechseln ist mit der erektiven Potenz des Mannes: „ Die erektive und ejakulative Potenz sind bloß unerlässliche Vorbedingungen für die orgastische Potenz. Sie ist die Hingabe an das Strömen der biologischen Energie ohne jede Hemmung, die Fähigkeit zur Entladung der hochgestauten sexuellen Erregung durch unwillkürliche lustvolle Körperzuckung. Kein einziger Neurotiker hat diese Fähigkeit, und die überwiegende Mehrheit der Menschen ist charakterneurotisch krank. Die Intensität der Lust im Orgasmus ist (beim angst-, unlust- und phantasiefreien Geschlechtsakt) abhängig von der Größe der auf das Genitale konzentrierten Sexualspannung, sie ist um so intensiver, je größer und steiler das Gefälle der Erregung ist.“
Nun, genau diese Fähigkeit haben die Rigiden und die (manipulativen) Psychopathen.

Wir kennen sie unter anderem aus vielen tantrischen Szenarios: sie haben viele Geliebte, sie sind echte Raketen und Tiger im Bett, auf keinen Fall lassen sie sich fangen in der Enge einer monogamen Beziehung. Sie sprechen immer von ihrer Freiheit – und sie lieben, sie lieben überhaupt als die einzig Wahren, weil Freiheit und Liebe Geschwister sind. Wir kennen sie aus der Literatur und Kunst: Es lebe Don Juan! Und natürlich Don Juanita!!
Sie verschaffen den Partnern viele Orgasmen, kunstvoll, sanft, zärtlich, hingegeben..
Aber: sie bleiben immer Chef oder Chefin, dominieren immer das Geschehen.
Ja, und sie sind ein Beispiel dafür, dass Orgasmusfähigkeit eben doch relativ wenig mit Erleuchtung zu tun hat – oder?
Bioenergetisch gesehen sind sie im Brustbereich gepanzert: das Herz schlägt in einer Rüstung, einer festen „Röhre“ aus gepanzerten Muskeln – aber: es sieht oft nicht so aus!
Der Orgasmusreflex schaukelt bei ihnen sozusagen mitten in dieser Röhre zwischen Becken und Kopf vorbei und funktioniert wunderbar!
Und bitte: ich möchte nicht missverstanden werden: ich bin nicht gegen Polygamie oder die Freiheit – nur manchmal versteckt sich etwas anderes hinter dem Schein der Oberfläche, als die suggeriert: das Herz ist der Schlüssel – ist aber auch nicht die ganze Antwort: im Herzen zu sein schenkt mir noch keinen ORGASMUS. Für ein erfülltes Menschsein ist der schon recht wichtig.
Die Antwort liegt darin, dass wir als Menschen sehr komplexe Wesen sind und alle Ebenen unseres Daseins angeschaut und integriert werden müssen, um das ganze Potenzial als Mensch zu er- leben. Kein einzelner Aspekt trägt in sich die ganze Antwort – die Physiker, so habe ich gehört, suchen auch seit Jahrzehnten die eine Formel, die die ganze Welt erklärt: sie haben sie NICHT gefunden – und angeblich ist in internen Diskussionen davon die Rede, das man davon immer weiter entfernt ist. (so stand es in der ZEIT)
Zuletzt noch Osho über Reich: „Wilhelm Reich hat recht, wenn er sagt, dass, wenn wir der Menschheit den Orgasmus zurückbringen, werden fast neunzig Prozent der Geisteskrankheiten sofort verschwinden – wie Tautropfen am Morgen, wenn die Sonne kommt.“
Ach, ich wünschte mir von Herzen, die zwei hätten recht! Habe mich sehr bemüht darum, Menschen zu helfen, einen Orgasmus zu bekommen. Ich hatte Erfolg in vielen, sehr vielen Fällen, aber: keineswegs aber hören damit automatisch selbstzerstörerische und neurotische Verhaltensweisen auf in Beziehungen auf, noch nicht ein Mal im Einzelfall. Die richtige Partnerwahl zum Beispiel ist auch nach Heilung der Orgasmusfähigkeit noch nicht mit im Paket.
Auf dem Weg zu einem glücklicheren Leben ist auch das nur ein Baustein.
Da irrte auch Reich. Ich glaube Osho und Reich haben beide die Wirkung von Gewalt
auf die Gesundheit der menschlichen Psyche unterschätzt.
Dennoch: ich wünsche allen Lesern dieses Textes ein orgastisches und orgasmusreiches Leben –mit Nähe zum mystischen, grenzenlosen inneren Raum. Möglich ist das schon.

25. Juni 2010

erst mal weiter mit Massage

Filed under: Tantra — Schlagwörter: , , — Advaita @ 06:37

hier erst Mal der Fortsetzungsroman: tantrische Massage

“Danach allerdings gibt es meistens die Regel der Askese für eine Nacht, gerade nach der Massage. Eben nicht dem Impuls zu folgen: “ Ach, es ist ja gerade so schön..“ und „lass uns direkt übergehen zur Vereinigung“, sondern die sensible und raffinierte sinnliche Erregung im Körper zu halten, in der Köstlichkeit der Sinne zu schwelgen, sie aber erst sehr viel später zur Erfüllung zu führen. Dabei gibt es aber auch eine Menge Details zu beachten, wie nah vor den „Punkt ohne Umkehr“ vor dem Orgasmus oder auch der Ejakulation die Massage höchstens führen darf, um dann als Energiesteigerung im Körper erfahren zu werden und eben nicht als Versagung des Höhepunktes.
Natürlich gibt es auch männliche Tantriker, die tatsächlich Orgasmus und Ejakulation trennen können nach langem Training, aber der durchschnittliche männliche Kunde gehört wohl kaum in diese Kategorie. Für den Normalmann fallen Orgasmus und Ejakulation zusammen. Von hierher komme ich, wenn ich sage, daß eine Massage, die von vorneherein, das Ejakulieren erlaubt, oder auch der Frau den Orgasmus, streng genommen, nicht tantrisch ist. Und bitte: das ist wirklich nicht als moralischer Zeigefinger gemeint. Geschieht es dennoch, nimmt man das mit einem charmanten Lächeln und selbstredend keinem moralischen Ziegefinger!! Ist doch klar!
Doch zurück zu dem Punkt, warum ich die Tantramassage nie als Einzelsitzung angeboten hätte: ich bekam von möglichen männlichen Klienten reichlich zweifelhafte Angebote, die mich mieten wollten für eine ganze Nacht als tantrische Luxusnutte – da habe ich natürlich nein gesagt, weil meine Vorstellung vom Tantra eine andere war. Das passiert mir heute nicht mehr.
Um jeglichen falschen Vorstellungen vorzubeugen, pflegte ich die tantrische Massage nur für beide Geschlechter in den Seminaren.”

24. Juni 2010

Tantramassagen..

Filed under: Politik & Zeitgeschehen,Tantra — Advaita @ 13:17

“Ich selber habe die tantrische Massage noch unter der Leitung meiner Urlehrerin, Margo Anand Naslednikov, im Rahmen meiner Gesamtausbildung gelernt – das war 1982. Damals war die tantrische Massage noch nirgendwo kommerziell präsent so wie heute. Die Griffe waren auch noch nicht ganz so ausgearbeitet und raffiniert wie heute. Aber es sind auch Griffe, die teilweise weniger mit der direkten Stimulation zu tun haben als vielmehr einer tiefen Muskelentspannung im „Bermuda-Dreieck“, wie wir damals intern jenen Bereich genannt haben, der unter den Sitzknochen ist, unterhalb des Samenstranges beim Mann, die direkte Umgebung des Anus` und die ganzen Ansätze der Gesäßmuskeln. Griffe, die sehr angenehm für den Empfänger sind als auch selten von irgend jemand mal ausgeführt werden. Bei einer normalen Massage sowieso nicht. Diese Muskeln werden selbst bei intensiver Vereinigung auch nicht unbedingt entspannt. Griffe, die heute teilweise in Vergessenheit geraten sind.
Mein verehrter Freund Andro ist zweifellos ein Meister dieser Kunst, was ich durch Erfahrung am eigenen Leibe bezeugen kann.
Er hat viel beigetragen mit seiner Kreativität und seinem Einfühlungsvermögen zur Verfeinerung und Verbreitung dieser Kunst.
Von Tantra abgesehen, gibt es diese Kunst aber auch in anderen asiatischen Liebesdisziplinen wie dem Tao-Yoga, das heute weitgehend von Mantak Chia verbreitet wird. Auch die Chinesen hatten ein Wissen über den Körper, den Energiekörper und gewisse Lustpunkte, die bei Stimulierung und Massage das Lustempfinden erhöhen. Auch die Kontrolle der Ejakulation zur Steigerung der Lust und der Transformation sexueller Energien in spirituelle ist dem Taoisten wohl bekannt.
Dank meiner vielfältigen Kontakte, auch zu ehemaligen Teilnehmern, die nach ihrer Zeit bei mir andere Wege gehen, habe ich reichlich Inspiration und praktische Anregung zur ständigen Verbesserung der erotischen Energiemassage von den Taoisten erhalten.
In neuerer Zeit ist es auch Joseph Conrad, einem homosexuellen Tantra – Lehrer aus den USA zu verdanken, daß es immer mehr Griffe zur Freude des Mannes gibt: er hat „Bodyelectric“ erfunden, eine Methode, die auch sehr viele SchülerInnen gefunden hat und ganz neue Ideen eingebracht hat in diesen Bereich der tantrischen Künste. Heute gibt es dort aber auch Massagen für Frauen.
Dazu kommt, daß es auch bei primär nicht tantrischen Massagen, wie der „Postural Integration“ nach Jack Painter, also einer eher therapeutischen, systematischen Tiefengewebsmassage als auch sogar beim Rebalancing, sowohl genitale als auch anale Griffe gibt, die einem Tantriker zu kennen wohl ansteht. Hier gelten die Griffe der Heilung, allerdings nicht im esoterisch aufgebauschten Sinn, sondern schlichtweg der physischen Entspannung, geht man davon aus, daß jede chronische Muskelanspannung, ganz egal wo im Körper, ungesund ist und außerdem eine Analogie bietet zu einer psychischen Verspannung.
Damals, in den frühen Achtzigern, als ich dann auch meine Selbstständigkeit als Tantra-Lehrerin begann, wäre ich nie auf die Idee gekommen, diese Kunst separat als Einzelsitzung anzubieten. Innerhalb der Seminare hatte ich gelernt, daß die erotische Massage sowohl Shiva als auch Shakti sehr entspannt vor dem Ritual und natürlich auch dem tantrischen Grundsatz dient: erregen und innehalten, erregen und innehalten, immer wieder. Das heißt, die Kunst zu lernen, dem Trieb zur schnellen Befriedigung zu widerstehen, manchmal, um die sexuelle Energie durch yogische Techniken tatsächlich zu sublimieren oder auch im Sinne einer Luststeigerung, die sehr viel tiefer ist und die auch letzten Endes sehr viel befriedigender ist als ein schnelles „Kommen“. Der Zusammenhang, in dem ich die Massage kennen gelernt hatte, war immer gegenseitig für Mann und Frau. Und in Wahrheit macht es mir auch heute noch die meiste Freude, auf diese Weise die erotische Massage zu vermitteln, zu geben oder auch zu empfangen: im Rahmen eines längeren Tantraseminars, als stundenlanges, ausgiebiges Vorspiel für beide Geschlechter vor einem großen Vereinigungsritual.”
morgen gehts weiter Advaita

1. Juni 2010

Polygamie in Tradition und Moderne

Filed under: Tantra — Advaita @ 07:51

Zur Zeit gross in den Medien: Polyamourie als Lebensstil. Hier ein Artikel von mir, etwas älter, dennoch hat sich seit Erstellung wenig geändert. Schade, dass dieser Trend scheinbar mit Tantra sehr wenig zu tun hat.

Das gute alte Modell der (inzwischen) seriellen Monogamie hat beileibe immer noch nicht ausgedient. Die allermeisten Menschen leben immer noch nach diesem Beziehungsmodell, das schon in den späten Sechzigern des letzten Jahrtausends zum Auslaufmodell erklärt wurde.  Die Polygamie (ein Mann mit mehr als einer Frau) oder die Polyandrie (eine Frau mit mehr als einem Mann)  hat es historisch immer wieder gegeben – und doch haben diese historischen Modelle mit dem, was wir in einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft darunter verstehen, im Allgemeinen wenig zu tun. Im Himalaya, im Staate Mustang, gibt es die Polyandrie, das heißt eine Frau heiratet einen Mann und bekommt dann den Bruder dazu. Auf diese Weise wird verhindert, daß das Land in zu kleine Parzellen aufgeteilt wird, die zu bewirtschaften sich nicht mehr lohnen würde. Wenn einer der beiden gerade mit der Frau sich vereinigt, dann stellt er seine Schuhe vor die Tür; so weiss der Bruder beim Anblick der Stiefel, daß die gemeinsame Ehefrau heute Nacht nicht frei ist An eine sexuelle Begegnung zu Dritt im Bett würden diese Nomaden wohl nicht denken, weil dafür zumindest die zwei Brüder leicht homoerotische Neigungen haben müssten. Vielleicht haben sie die, aber sie gestehen sie  sich nicht ein.

Und natürlich wollen wir auch nicht den muslimischen Ehemann nachahmen, der bis zu vier Frauen haben kann, wenn er sie nur  ernähren kann.

Da ist die moderne „Polyamoury“ – Bewegung vollkommen anders gestrickt, die im „prüden“ Amerika begann vor ungefähr 20 Jahren und sich inzwischen über die ganze Welt verbreitet hat. Amerika hat viele Gesichter und nicht alle sind verklemmt. Nicht zufällig hieß diese Land einmal “das Land der Freien“!! Ein Gedanke, der beim Bush – Amerika besonders schwer fällt, aber die Menschen, die in und um San Francisco herum leben, sind doch außerordentlich freiheitlich gesinnt. „Polyamoury“ heißt soviel wie „Vielliebe“ und wird teilweise auch von Ehepaaren praktiziert, die die „Vielliebe“ als Mehrfachehe verstehen, wobei hier Ehe bedeutet, daß die Beziehung zwischen mehreren Menschen gepflegt wird und genau so ernst genommen wird wie die Ursprungsehe, aus der die Beteiligten kommen.

Es gab vor ungefähr acht Jahren, als ich in Hawaii Urlaub machte, auch in tantrischen Kreisen, eine gehörige Aufregung über diese Bewegung, die sich aber inzwischen gelegt hat.  Wenn es auch im Tantra so gut wie selbstverständlich ist, daß jeder Shiva und jede Shakti bereit sein sollte, sich mit einem oder mehreren Partnern zumindest rituell zu vereinigen, ist diese Bewegung meines Wissens nicht aus tantrischen Wurzeln gespeist.  Gerade die rituelle Begegnung hat ja auch mit Beziehung gar nichts zu tun.   Im Tantra sieht man es eher als Hindernis an, wenn die Begegnung während des Rituals die persönlichen Aspekte nicht transzendiert, zielt Tantra doch in eine andere, nämlich die spirituelle Richtung. Es geht um viel mehr als Freiheit von bürgerlichen Normen. Es geht hier um die umfassende Freiheit des Geistes.  Bei „Polyamoury“ geht es um die Bereicherung des menschlichen Beziehungsgeflechts, aber weniger um die Verfeinerung der amourösen Kunst selber.  Auf den Präsentationen der  Bewegung geht es eher darum, wie man so eine Mehrfachehe ohne Eifersucht und störende Gefühle als Bereicherung des bisherigen monogamen Lebens erfährt und dann auch praktiziert, als darum zum Beispiel, wie man den Sex zu dritt oder zu viert oder mit noch mehr Teilnehmern praktiziert, ohne, daß es zugeht wie im Swingerclub, wovon die meisten sich absetzen wollen.

Ich persönlich habe sehr viele verschiedene Modelle gelebt und lebe sie noch und eines weiss ich deshalb auch: kein Modell des Zusammenlebens  oder auch ein Beziehungsmodell ohne Zusammenleben erspart mir Auseinandersetzungen mit mir selbst als auch den oder dem Anderen.  Jede Beziehung, die verliebt oder in Liebe beginnt, kann in Hass umschlagen, wenn diese Liebe abgewehrt, nicht angenommen oder verraten wird.

Grundsätzlich steht jede Beziehung, ausgesprochen oder unausgesprochen, bewusst oder unbewusst, unter den zwei Polen Bindung und Freiheit.   Die Freiheit ist auch nicht immer die sexuelle, sondern es kann auch schlichtweg um Freiraum gehen, den sich der Einzelne selber nimmt, Urlaub von der Beziehung für eigene Interessen, die man eben mal nicht mit dem anderen teilt. („Even lovers need a holiday“ heißt ein alter Rocksong)

Zuviel Bindung lässt die Beziehung nach einer Weile zum Gefängnis werden; aber ich kenne auch moderne, offene Beziehungen, wo die Freiheit die Bindung so sehr lockerte, das am Ende keine Beziehung mehr da war – sie ist einfach im Sand versickert.

Jede lebendige Beziehung bewegt sich in der Balance zwischen beiden Polen,  mehr Freiheit bedeutet auf jeden Fall mehr Verantwortung und ein Bewußtsein, das die Beziehung nicht statisch festlegen will als ein Set von Erwartungen, die bei Nichterfüllung eingeklagt werden können auf Grund eines vorher vereinbarten Wertesystems. Oder eines Wertesystems, das einfach unausgesprochen als Voraussetzung angenommen wurde.

Mehr Freiheit bedeutet auch weniger emotionale Geborgenheit – normalerweise. Ich kann mir aber auch eine Mehrfachehe vorstellen, in der alle Beteiligten einander „treu“ sind und nach und nach dieselbe Geborgenheit entsteht wie in der guten, alten Einehe.

Ich habe einmal mit zwei Männern eine sehr sexuelle, tantrische Beziehung gehabt und fühlte mich aufgehobener denn je bei beiden Männern, meine Bedürfnisse mehr abgedeckt, mich selbst mehr „bedeckt“ von beiden, rundum zufrieden mit der Lust, Viel mehr als mit einem Mann summte und surrte ich vor Zufriedenheit den ganzen Tag lang. Selbst flirten mit noch anderen Männern war mir zuviel!

In den Tantragruppen gibt es immer wieder Paare, die behutsam und allmählich die Freiheit lernen wollen und das auch tun.  Zum Beispiel nehmen sie das erste Mal beim Vereinigungsritual einen anderen Partner. Dann sind sie selbst erstaunt, daß es sogar wunderbar geht! Sie selbst haben das Ritual genossen, der andere genau so.

Ja, sie sind einander dankbar, sich gegenseitig die Freiheit geschenkt zu haben und fühlen sich verbundener denn je. Solche Paare gibt es; aber auch solche, die im Seminar feststellen, daß sie so viel Brast aufeinander haben, daß sie das Ritual gar nicht miteinander machen können!!

Natürlich gibt es auch Einzelpersonen, die die Freiheit lernen wollen,  die keinen kontrollierenden Partner haben, dafür aber reichlich Sex unterdrückende Konditionierungen, Schuld und Schamgefühle.

Was ich im Folgenden beschreibe, entsteht ausschließlich im letzten Abschnitt der Jahresgruppe „Tod und Wiedergeburt“ oder im kleinen aber feinen Kreis der Fortgeschrittenen, wo jeder jeden schon länger kennt, es schon häufiger tantrische Begegnungen  der übersichtlicheren Art statt gefunden haben, Kondome direkt griffbereit da liegen, alle einen Aids -Test haben und außerdem von „außen“ Helfer, die Musik machen, aber auch schauen, daß nirgendwo schräge Gefühle entstehen. Und wenn sie entstehen, diskret betreuen, ohne daß im ganzen Pulk  der Fluss abbricht.

Wir nennen das den „Tantrischen Knoten“: Leiber winden sich durcheinander, in diversen Geschwindigkeiten oder auch Nacktheiten. Die anderen berühren dich oder auch nicht, jemandes sexy Hand oder Bein oder Bauch kommt vorbei und Du berührst und küsst, ohne zu wissen, wer genau gerade in den Genuß Deiner Zärtlichkeiten kommt. Hier und da kann sogar Vereinigung entstehen. Jemand berührt und küsst Dich und Du weißt nicht, wer es ist. Du genießt und genießt, du lässt dich fallen, fallen, fallen und schwimmst im Urmeer der menschlichen Zärtlichkeit, die sehr sexuell werden kann, aber nicht muss. Die Person spielt keine Rolle – aber im ganz positiven Sinn. Die geliebte Körperlichkeit spielt eine Rolle und der unbewusste Traum, wie es vielleicht mal war in einer Art tantrischem Paradies.

Du kannst einmal jedem erotischen Impuls nachgeben, es gibt keine Regeln, keine Verbote, keine Rück – oder Nachsicht. Der Kopf schaltet sich aus, du schwimmst auf den Wogen des Gefühls, auch die Unterscheidung von Sex und Liebe und Zärtlichkeit und Intimität oder auch purem Spaß verschwinden, weil jegliche Unterscheidung aus dem Kopf kommt.  Durch die vorher genannten Vorsichtsmaßnahmen können auch keine Krankheiten oder ungewollte Kinder entstehen. Erst muß der solide Rahmen geschaffen werden, dann können die Energien innerhalb dieses beschützten und gehüteten Raumes von der Leine gelassen werden.

Das geht nur, wenn jeder Teilnehmer volles Vertrauen in die Situation hat. Intimität ist etwas, das wachsen muß. Dieses Wachstum des gegenseitigen Vertrauens kann auch in anderen als sexuellen Methoden füreinander entstehen im Verlauf eines Jahrestrainings.

Jenseits von Tantra gab es zumindest in den wilden Sechzigern Visionen einer größeren sexuellen Freiheit: „Make Love, not War“ forderten die Hippies die Gesellschaft auf vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges. Und wissen es nicht die tantrischen Götter: auch der heutigen Zeit könnte ein solches Motto gut zu Gesicht stehen, doch heute lächelt man nur müde über solche Sprüche. Sie klingen naiv in einer zynischen Zeit.

Wurde doch noch nirgendwo über ein Zuviel an Liebe geklagt, wohl aber über ein Zuviel an Krieg und Totschlag! Auch die Sannyasbewegung hatte in ihren Anfängen sehr viel sexuelle Libertinage im Gepäck. Aber AIDS änderte dann viel, im Großen wie im Kleinen, innerhalb der Sannyasbewegung und innerhalb der Gesellschaft. Auf einmal ist die feste Partnerschaft einfach wieder sicherer, Vorsicht besser als Nachsicht, auch gibt es massenweise Tantra – Veranstalter, die das heiße Eisen Vereinigung gar nicht mehr anfassen – obwohl das doch die zentrale tantrische Kunst ist.

Immer noch gibt es viele Gruppen und Grüppchen, die die sexuelle Freiheit auf ihre Fahnen geschrieben haben. Zum Beispiel die Leute vom ZEGG mit Babette und Dieter Duhm. Doch die kümmern sich wenig um dien Schatten der freien Liebe: Eifersucht und mögliche Ansteckungen…Aber heute bekommen solche Gruppen grundsätzlich weniger Interesse von den Medien als damals.

Doch kehren wir zurück zur Entscheidung des Einzelnen. Heute ist es eine Frage des „Lifestyles“, wie ich leben möchte. Zumindest in den Großstädten. Auf dem platten Lande sieht das wohl etwas anders aus.  Tatsächlich könnte ich persönlich auch keiner Lebensform die Goldmedaille  geben als allein selig machend.

Auch die gute, alte Monogamie hat durchaus etwas für sich. Es gibt Räume zwischen Mann und Frau, die entstehen nur da. Zum Beispiel, wenn man frisch verliebt ist. Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, daß  im Zustand der Verliebtheit  bestimmte Hormone im Gehirn ausgeschüttet werden, die meine Gefühle fixieren auf einen einzigen Menschen. Nur diese Stimme erregt mich, macht mir Schmetterlinge im Bauch, nur dieser eine Mensch hat den Schlüssel zu meiner Seligkeit! Obwohl dieses Gefühl ein fundamentaler Irrtum ist, ist dieser Irrtum sehr notwendig, sehr grundlegend, um die Menschheit am Laufen zu halten! Verliebtheit geht aber immer vorbei und macht im besten Fall Platz für die Liebe. Die ist ein ruhigeres Gefühl und man kann durchaus mehrere Menschen lieben. Gibt es doch auch viel Arten der Liebe!!

Auch ich habe teilweise monogam gelebt (auch in „tantrischer“ Zeit) und hatte währenddessen den Eindruck, daß das auch für mich sehr stimmig sein kann, wenn ich energetisch ausgelastet bin von dem einen Partner. Ja, es kann auch eine sehr gewählte und gewollte Konzentration der Energie sein, wenn ich  nicht mit einer sexuellen Gießkanne durch die Welt gehe, sondern einen Focus, einen Brennpunkt schaffe, speziell mit einem tantrischen Partner.  Auch die Monogamie kann tantrisch sein, wenn sie von beiden Partnern gewusst gewählt für eine bestimmte Zeit und nicht von der Gesellschaft im Voraus bestimmt wurde.

Aus einer romantischen Monogamie in eine lustbetonte Dreierbeziehung – das war Grenzen sprengend damals. Ich bemerkte an mir selber, daß der eine Mann etwas anderes aus mir herausholt als ein anderer Mann. Auf Fotos mal mit dem einen, mal mit dem anderen Mann zusammen, schaute mir eine  jeweils andere Frau entgegen – und jedes Mal war ich die Frau! Und die ozeanischen Wogen erotischen Genusses in einer Nacht zu dritt  mit zwei potenten Männern, die um mich bemüht waren, hatten eine andere Qualität als auch die befriedigensten Momente einer monogamen Nacht, und die wieder eine andere wie der Fluss der Entgrenzung in einer tantrischen Orgie!!

Doch betrachten wir uns kurz und bündig, was der Freiheit entgegen steht: das unkritische Übernehmen der alten Beziehungsmodelle, das in allen konservativen Gesellschaften oder Gesellschaftsanteilen normal und üblich ist; die Eifersucht; manchmal Mangel an Gelegenheit. Für die meisten von uns oder auch den geneigten Leser  ist es wahrscheinlich hauptsächlich die Eifersucht, die uns zu schaffen machen würde. Gelegenheiten können wir kreieren, und kritiklos übernehmen wir hoffentlich nichts von niemandem.  Die Eifersucht selber ist ein Cocktail aus mindestens drei Gefühlen: beleidigte Eitelkeit, Verlustängste, ein Schwinden der Kontrolle über das Leben des anderen. Falls exclusive sexuelle Beziehungen vereinbart waren, kommt natürlich auch das Gefühl des Verrats hinzu.  Die Verlustängste haben ihre Wurzel oft in der Kindheit, weil nie genügend elterliche Liebe vorhanden war und deshalb bleibt ein unerfülltes Bedürfnis nach Geborgenheit und Zugehörigkeit. Dieses Bedürfnis wird in die erwachsene Beziehung mitgenommen. Deshalb tut sich ein solcher Abgrund auf, wenn es aufs Neue frustriert wird.  Wenn wir bereit sind, in uns selbst Geborgenheit zu finden, dann können wir eher den anderen loslassen. Mit ihm die Energien teilen, müssen ihn aber nicht kontrollieren und lassen uns auch nicht kontrollieren.

Am schlimmsten aber sind Lügen, die so weit verbreitet sind, weil es so bequem ist. Den Partner in der Illusion zu lassen, er oder sie sei die Einzige in meinem Leben ist ja soviel einfacher als um eine loyale, aber offene Beziehung zu ringen. (70% aller Ehemänner gehen ein oder mehrere Male fremd während ihrer Ehe. Frauen  auch.)

Ihm oder ihr aber auch bei zu bringen, daß es nicht heißt, ich liebte ihn oder sie nicht, weil ich mit anderen Menschen das erotische Vergnügen teile. Ja, daß es sogar möglich ist, ihn oder sie weiter zu lieben, auch wenn ich einen anderen liebe – das ist viel mehr als einen Seitensprung beichten. Das heißt, eine  andere Lebensform finden.  Wenn das ganze Gruppen tun, dann haben wir eine Bewegung wie Polyamoury.  Es gibt aber auch Menschen, die können sich nicht tief einlassen, halten sich für frei; haben aber eine Beziehungsphobie – das ist hier nicht gemeint.

Das Thema ist sowohl faszinierend als auch komplex – leider fehlt hier der Raum, mehr auf die möglichen inneren Widersprüche ein zu gehen, die einem Wanderer in das Land Freiheit begegnet: muß er doch unterscheiden zwischen Hingabe und Selbstaufgabe, zwischen Abhängigkeit und Liebe, zwischen Freiheit und abweisender Distanz,  Egofallen und Beziehungsfallen. Der ewige Tanz der Ambivalenzen: nur, wer weitestgehend frei ist von alten Schuld – und Schamgefühlen und sein zitterndes Herz freigelegt hat mag das Land schauen und schon in ihm leben, in dem Freiheit und Liebe Geschwister sind und nicht vermeintliche Feinde.

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